Realschüler setzen sich für rauchfreie Spielplätze ein / Stadt Enger greift Idee auf
VON JULIA RENNER
Enger. „Be smart, don’t start“ heißt die Aktion, an der im Frühjahr die Klasse 7a der Realschule teilnahm. Hunderttausende Schüler machen bundesweit jedes Jahr bei dem Wettbewerb mit, doch viele haben es sicher noch nicht geschafft, die Politik ihrer Heimatstadt damit zu beeinflussen. Die Realschüler aus Enger dagegen schon. „Im Rahmen der Aktion sollten sich die Schüler ein Projekt gegen das Rauchen überlegen“, sagt Klassenlehrer Meinolf Sandmeyer. Dies war schnell gefunden. „Die Schüler haben festgestellt, dass seit dem Rauchverbot in Kneipen mehr Kippen auf Spielplätzen rumliegen.“ Hunderte Stummel haben sie gesammelt, außerdem mehr als 300 Unterschriften und haben damit Bürgermeister Klaus Rieke besucht. „Wir wollten rarauf hinweisen, dass Zigarettenkippen schädlich sind, vor allem, wenn sie kleine Kinder in den Mund nehmen“, sagt Leon Kallweit. Den Rathauschef haben Leon und seine 27 Mitschüler schließlich mit Fragen gelöchert und mit Tatsachen konfrontiert. Einen Monat hatten die Realschüler nichts mehr gehört, als schließlich der Rat der Stadt beschloss, das Rauchen und auch das Alkohol-Trinken auf Spielplätzen zu verbieten. „Ich bin stolz auf meine Schüler“, sagt Meinolf Sandmeyer und fügt hinzu: „Sie sind politisch aktiv geworden in einem Alter, in dem man sich sonst nicht für Politik interessiert.“ Gestern wurden schließlich die ersten Verbotsschilder am Spielplatz in der Maiwiese angebracht – allerdings provisorisch. „Das sind nur Musterschilder, die richtigen kommen erst Ende der nächsten Woche“, sagt Alfred Wolski, bei der Stadt für die Spielplätze zuständig. Die selbstklebenden Aufkleber werden dann an allen 38 Spielplätzen im Stadtgebiet angebracht. „Insgesamt haben wir 200 Schilder bestellt“, sagt Wolski, der die Hinweise anbringen wird. Der 12-jährige Lukas Marquardt würde sich derweil wünschen, dass mehrmals täglich kontrolliert wird, ob sich auch jeder an die Verbote hält. Machbar ist das allerdings nicht, sagt Bürgermeister Klaus Rieke. Flächendeckende Kontrollen könne es nicht geben, durchaus aber Sanktionsmöglichkeiten wie Bußgelder. „Ich hoffe auf den vernünftigen Raucher“, sagt Rieke, der sich über den Einsatz der Realschüler freut. Auch das WDR schätzt das Engagement. „Die Klasse hat uns angeschrieben und wir fanden die Aktion klasse“, sagt Redakteurin Petra Scholz. Deshalb kam sie gestern mit ihren Kollegen nach Enger, um einen Beitrag über die Klasse zu drehen. Im Politikunterricht, beim Bürgermeister und auf dem Spielplatz in der Maiwiese haben die Schüler vor der Kamera von der Aktion berichtet. „Das Ganze hat Spaß gemacht“, sagt die 13-jährige Katrin Kesner. „Es war toll, einmal selbst aktiv zu werden.“ Von dem Engagement der Schüler kann sich jeder am Freitag, 14. November, selbst überzeugen. Der Fernsehbeitrag läuft wahrscheinlich in der Sendung „Lokalzeit OWL-Aktuell“ ab 19.30 Uhr.
© 2008 Neue Westfälische Tageblatt für Enger und Spenge, Donnerstag 13. November 2008 | | |